Michael Beleites – Positionen – Energie & Landschaft: Das Ethische im Ästhetischen

Michael Beleites

ökologisch denken & handeln



Positionen

Positionen zum Zeitgeschehen

Dritter Weg: Über die Rechts−Links−Frage hinausdenken

Es gilt insbesondere, über die politische Links−Rechts−Frage hinauszudenken. Denn diese Perspektiven beruhen beide auf einem anti−organismischen Kurzschluss. Sie verknüpfen Gleichwertigkeit mit Gleichheit und Verschiedenheit mit Ungleichwertigkeit: Die politische Rechte geht von einer Verschiedenheit der Menschen aus (was richtig ist) und leitete aus dieser Verschiedenheit oft eine Ungleichwertigkeit ab (was falsch ist). Die politische Linke hingegen geht von einer prinzipiellen Gleichwertigkeit aller Menschen aus (was richtig ist), teilt aber mit der klassischen Rechten den sozialdarwinistischen Reflex, wonach Verschiedenheit Ungleichwertigkeit bedeute und leugnet bzw. nivelliert deswegen alle Verschiedenheiten (was falsch ist). [...]

Aus einem organismischen Gesellschaftsverständnis heraus sind die Menschen – und ebenso ihre Völker und Rassen – verschieden, aber gleichwertig! In der Welt sind die Menschen ebenso verschieden, wie die Klimabedingungen und geologischen Verhältnisse der geographischen Räume, in denen sie sich entwickelt haben, verschieden sind. Innerhalb eines Volkes sind die Menschen ähnlich verschieden, wie die in einer Gesellschaft wahrzunehmenden Funktionen verschieden sind. Eine organismische Verfassung ist aber nicht als eine einfache Hierarchie zu verstehen, die nur oben und unten kennt und diese Positionen in vorteilhafte und nachteilige Lebensbedingungen übersetzt, die dann den gesellschaftlichen Zerfall in reich und arm rechtfertigen. Organfunktionen in einem Organismus sind so wenig über− oder unterprivilegiert wie es Herz und Lunge, Leber und Niere im biologischen Organismus sind. [...]

Vielleicht wäre es ja auch sinnvoll, sich ein Stück weit am Bienenvolk zu orientieren, wo die jeweiligen "Berufe" an die Altersstadien gekoppelt sind und – außer den Königinnen und den Drohnen – jedes Individuum im Laufe seines Lebens alle Organfunktionen des Superorganismus einmal ausführt. Die menschliche Gesellschaft könnte von einem solchen Prinzip insoweit lernen, dass jeder einmal in die Tätigkeiten der "Basis" aktiv hineingestellt sein muss: Dass beispielsweise (anstatt eines Wehr− oder Zivildienstes) jeder am Beginn seines Berufslebens ein bis zwei Jahre im bäuerlichen und handwerklichen Bereich arbeitet – und niemand Denk− und Führungsaufgaben übernehmen kann, der nie ein Teil der die Gesellschaft tragenden Basis gewesen ist. [...]

Gleichmacherei im Sinne einer Nivellierung der verschiedenen Neigungen und Funktionen führt ebenso zum Kollaps eines organismischen Systems wie ein Konkurrenz− und Wettbewerbsverhältnis seiner Organe. Insoweit ist das politische Links−Rechts−Schema nicht nur ein Trugbild, das die tatsächliche Komplexität der politischen Strömungen nicht wiederzugeben vermag; es ist ein destruktives, gesellschaftszerstörendes Denkmuster. Es wirkt vor allem deshalb verheerend, weil es alles politische Denken und Handeln nur auf eine Entscheidung zwischen diesen beiden antiorganismischen Richtungen reduziert. Dieser totalitäre Politikmodus zwingt die Gesamtgesellschaft auf einen Weg, der von vornherein jeden organismischen Ansatz ausschließt: Wer nicht links ist, sei rechts – wer nicht rechts ist, sei links.
Michael Beleites (2020) Lebenswende. Degeneration und Regeneration in Natur und Gesellschaft. Manuscriptum Verlag. S. 195f.

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