Michael Beleites - Positionen - Miteinander reden: Wider die Ausgrenzung

Michael Beleites

ökologisch denken & handeln



Positionen

Quergedacht - Positionen zum Zeitgeschehen

Miteinander reden: Wider die Ausgrenzung

Ich bin kein Anhänger einer eliminatorischen Publizistik. Die heute um sich greifende Verfahrensweise, wesentliche Überlegungen deswegen zu ignorieren oder zu „tilgen“, weil die betreffenden Autoren an anderer Stelle problematisch erscheinende Ideen vertreten haben, halte ich für nicht souverän und für unwissenschaftlich. Wenn ich eine Textstelle zitiere, meine ich den Inhalt des Zitates und verbürge mich damit nicht gleichzeitig für die wissenschaftliche und ethische Belastbarkeit des Urhebers. (Michael Beleites: Umweltresonanz, 2014, S. 16)
Es wäre absurd, wenn man jeden Autor (und jeden Menschen), mit dem man nicht zu 100 Prozent übereinstimmt, zu 100 Prozent (also in seiner Gesamtbiographie) ablehnen sollte. Dasselbe gilt für Menschen, mit denen wir ins Gespräch treten, bzw. eine direkte Auseinandersetzung führen. Ich gehe davon aus, dass wir uns als demokratische Akteure in einer pluralistischen Gesellschaft gegenseitig so viel Souveränität zutrauen und zugestehen, dass wir uns anhand der jeweils eigenen Haltung beurteilen und nicht anhand derer unserer Gesprächspartner. Der von Daniele Ganser als „Kontaktschuld“ bezeichnete Reflex, Menschen automatisch der Position derer zuzuordnen, mit denen sie Kontakt hatten oder haben, ist auf Ausgrenzung aus und vertieft die Gräben in unserer Gesellschaft.
Wenn wir ein gegenseitiges Vertrauen in die Lauterkeit unserer politischen Beweggründe (und die Entwicklungsfähigkeit unserer Erkenntnisse) haben, dann müssen wir uns nicht über eine fortwährende Nachprüfung der Kontakte der anderen versichern, auf der „richtigen Seite“ zu stehen. Wir können dann in aller Offenheit auch über unterschiedliche Positionen sprechen − und daran die eigenen Erkenntnisse überprüfen und ggf. auch verändern. Es ist nicht hinnehmbar, dass diejenigen, die sich direkt mit Menschen auseinandersetzen, die politisch extreme Positionen vertreten (oder denen solche angelastet werden), von denen, die die indirekte Auseinandersetzung bevorzugen, fortan ausgegrenzt werden.
Wir werden die Probleme unserer Gesellschaft nur lösen können, wenn wir über die Grenzen der politischen „Lager“ hinweg kommunizieren, Gräben überbrücken und über die Rechts-Links-Frage hinausdenken. Wer mit Rechten spricht, wird deswegen nicht zu einem Rechten − und wer mit Linken spricht nicht zu einem Linken! Nie wäre 1989/90 eine „Friedliche Revolution“ gelungen, wenn wir uns nicht getraut hätten, uns mit den anderen an einen Tisch zu setzen. In dem Moment, als die „Trauer über die im Misstrauen verloren gegangenen Energien“ zur Sprache kam, konnten sich Stasi-Opfer und Stasi-Täter die Hände reichen. Heute müssen wir darauf achten, dass die mit der Links-Rechts-Konfrontation einhergehende Zersetzung von Vertrauen und Vertrauensfähigkeit in der Gesellschaft nicht auch noch unser soziales und ökologisches Engagement untergräbt. Und auch nicht unsere Freundschaften.

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