Michael Beleites - Positionen - Kooperation statt Kampf: Biologie jenseits von Darwinismus und Kreationismus

Michael Beleites

ökologisch denken & handeln



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Quergedacht - Positionen zum Zeitgeschehen

Kooperation statt Kampf: Biologie jenseits von Darwinismus und Kreationismus

Der „Kampf um´s Dasein“ ist kein Naturgesetz − und schon gar nicht dasjenige, dem sich alle Lebensprozesse unterordnen! Ich bezweifle nicht, dass es in der Natur Konkurrenzsituationen und Kämpfe gibt. Der Kampf gehört zur Natur. Dass aber ein Überlebenskampf all die wunderbaren Gestalt- und Verhaltensmuster der Arten hervorbringt; dass die Kohlmeisen deswegen einen schwarzen Scheitel haben und die Blaumeisen einen blauen, weil ihnen das im Kampf um´s Dasein irgendwelche Vorteile brächte − das glaube ich nicht. Selektion ist das Prinzip der vom Menschen gelenkten Züchtung von gefangenen bzw. „kultivierten“ Domestikationsformen. Die Ökologie und die Evolution der frei lebenden Wildformen werden nicht von einer Selektion beherrscht, die nur die Fittesten überleben lässt. Hier gelten andere Gesetze, wenngleich diese bislang nur ansatzweise erkannt sind.
Michael Beleites (2016): Land-Wende. Raus aus der Wettbewerbsfalle. S. 43.

Biologie ist die Wissenschaft vom Leben. Und leben können nur Organismen. Die in die Einzelteile vertiefte Molekularbiologie versteht nicht viel von den Zusammenhängen des Lebens, aber sie ist derzeit bestimmend. In ein Nischendasein abgedrängt, musste sich die eigentliche Biologie, die die Lebewesen selber in den Blick nimmt, einen extra Beinamen geben: Sie nennt sich heute oft „Organismische Biologie“. Aber deswegen, weil sie unzerteilte Organismen erforscht, ist sie nicht schon „organismisch“. Denn in aller Regel leitet sie die Eigenschaften der Organismen aus den Eigenschaften ihrer Bestandteile her und ist daher eine reduktionistische Biologie. Das, was ich mit organismischer Biologie meine, ist das genaue Gegenteil: Ich stelle das organismische Prinzip in den Mittelpunkt. Das heißt, dass die Eigenschaften der Teile (Organe) in erster Linie aus den Systemeigenschaften einer übergeordneten Ganzheit (Organismus) resultieren.

Aus dieser Perspektive ist nicht nur das Individuum als ein Organismus verfasst, in dem die einzelnen Organe sich gegenseitig fördern und das Ganze zusammenhalten, das auch diese am Leben hält. Nach demselben organismischen Prinzip sind auch überindividuelle Einheiten verfasst: Schwärme sind nicht ein Wettrennen von Egoisten, sondern sie bestehen aus Individuen, die sich in eine überindividuelle Organisation integrieren und dabei einen Teil ihrer Autonomie an die übergeordnete Individualität des Gesamtsystems abgeben, welches seinerseits die Einzelindividuen organismisch integriert. Ökosysteme bestehen nicht aus sich gegenseitig bekämpfenden Individuen, sondern aus zusammenwirkenden Lebensgemeinschaften; die ökologische Sukzession ist aus der Perspektive des Ökosystems als ein organismischer Regenerationsprozess interpretierbar. Populationen, Arten und höhere systematische Kategorien bilden eine hierarchische Struktur, die ihrerseits die Eigenschaften der einzelnen Komponenten bestimmt. Die Eigenschaften von Individuen resultieren aus den organismischen Systemeigenschaften der Schwärme, Populationen, Arten oder Ökosysteme, deren Organe sie sind. Die Natur ist auf ganz verschiedenen Ebenen organismisch und hierarchisch strukturiert. Kampf um´s Dasein und Wettbewerb sind keine grundlegenden Naturgesetze, sondern genau das, was die organismischen Naturzusammenhänge aushebelt, desintegriert und denaturiert.
Michael Beleites (2014): Umweltresonanz. Grundzüge einer organismischen Biologie. S.14.

Die Selektionslehre ist Kern der reduktionistische Biologie: Zunächst schnitt Darwin die Beziehung der Art zu einer schöpferischen Intelligenz ab, weil er diese als Eigentum religiöser Institutionen missverstanden hatte. Sodann hat er auch die Arten und Rassen aus ihrer Organstellung im ökologischen Gefüge herausgelöst, um sie als autonome Gebilde in einen gegenseitigen Überlebenskampf zu schicken. Die solcherart aus ihrem organismischen Kontext herausgeschälten Arten konnten dann in Gefangenschaft und im Labor untersucht werden. In Gefangenschaft und Labor sind die Arten aber nur noch in einer solchen Weise Arten, wie Blätter in der Salatschüssel Blätter sind.
Michael Beleites (2016): Kampf oder Dasein. Umweltresonanz statt Wettbewerb. Manuskript. S.39.

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